Papierfotografie


Für Lochkameras ist es durchaus üblich, statt Film (Kleinbild, 120er oder Sheetfilm) Fotopapier zu verwenden, welches im Grunde auch nur ein Negativfilm ist. Die Empfindlichkeit von solch einem Papier für schwarzweiss Abzüge entspricht in etwa ISO 6. Zudem ist das übliche Schwarzweisspapier Orthochromatisch, wird in diesem Fall also nicht durch rotes Licht belichtet und ist nur Für blau oder grünes Licht empfindlich.
Auch gibt es einiges im Netz zu der Verwendung von Fotopapier in Grossformatkameras, insbesondere um die Kamera selbst günstig zu Testen. Die Ergebnisse davon können sich aufgrund ihrer Abzugähnliche Maße durchaus sehen lassen. Bis runter zum Mittelformat (z.B. 6cmx6cm) sind die Fotopapiernegative noch recht gut zu betrachten und haben eine nicht unbeachtliche Schärfe.

Die folgenden zwei Bilder sind direkt auf Schwarzweiss Fotopapier in einer Mittelformatkamera entstanden. Das linke Bild wurde mit einer Mamiya RZ67 geschossen. Das rechte Bild vom CrazyCart ist mit der Adox Golf (Motiv vom linken Bild) entstanden.
Fotopapier hat einen geringeren Dynamikbereich als fotografischer Film, wesshalb verstärkt auf die korrekte Belichtung geachtet werden muss. Da die meisten Belichtungsmesser sich nicht bis runter auf ISO 6 einstellen lassen, muss zunächst die korrekte Blendeneinstellung und Verschlusszeit auf der niedrigsten Empfindlichkeit ermittelt werden. Nehmen wir an dies ist ISO 25, so muss die Belichtung +2 EV heller als der Belichtungsmesser vorschlägt korrigiert werden. Indoor werden das bei Offenblende dann schonmal ein paar Sekunden, für das linke Bild waren es 8.
Nach dem Einscannen und Invertieren kann dann wie üblich der Kontrast angepasst werden, ist jedoch von sich aus oft recht stark.


Was ist denn aber mit Kleinbild? Ganz so viel konnte ich Online dazu nun nicht mehr finden. Naja, dass das funktionieren wird sollte nun keine Überraschung mehr sein. Die Resultate sind definitiv nicht für Abzüge über 10x15 geeignet, die Schärfe wird ab einer Vergrößerung von 1:1 eh nur schlechter. Trotzdem lassen sich mit dieser Methode doch ein paar schöne Fotos im nunja, Retrolook machen.
Nachdem aus allen Fenstern jeweils ein Bild gemacht war fehlten nun die Motive. Eine Kamera in der Dunkelkammer zu laden, um dann raus zu gehen ein Motiv für ein einziges Foto zu suchen erschien mir den Aufwand nicht wert. Sowas wie Filmkassetten bei Fachkameras wär doch was, Hmm. Oder halt das Papier in einen Kleinbildkanister einrollen, LOL, bescheuert.
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... Damit sich das Papier aber transportieren lässt muss es die kleinen Löcher am Rand haben. Sowas wie ein Locher für Kleinbild. Um ehrlich zu sein, ich hab online erst garnicht angefangen nach sowas zu suchen.
Eine dünne Aluplatte mit 35.5mm breiter und 0.8mm tiefer Führung soll das Papier mittig halten. Darüber kommt ein größerer Alublock, der mit vier Schrauben über der kleinen Platte gehalten wird. Von oben werden zwei 3mm Stifte aus gehärtetem Stahl mit entsprechender Schneide an einem Ende (wie bei Papierlochern) durch das zwischen den Alublöcken liegende Papier gedrückt. Der Abstand der Löcher (mitte zu mitte) beträgt übrigens 28mm.


Zwei Federn ziehen die Stifte nach dem Stanzen wieder nach oben.


Um das Stanzen einfacher zu machen werden beide Stifte gleichzeitig von einem Hebel heruntergedrückt.


Das schwierige ist jedoch, den Abstand der Löcher voneinander konstant zu halten. Mein Ansatz war hier, das Papier jeweils ein Loch pro Stanzvorgang weiter zu ziehen. Eine Platte (das Graue) kann dazu vor und zurück geschoben werden. Zwei Haken greifen beim nach links Schieben dann in die dort bereits existierenden Löcher und ziehen den ganzen Filmstreifen passend weiter. Um auch im Raster zu bleiben hat dieser Vorschub nach links hin einen einstellbaren Anschlag. Damit die Haken beim Ziehen auch greifen drückt ein Metallbügel ein Alurohr mit Gummidichtungen als Rollen auf den Film. Da die Haken angewinkelt sind, springen sie beim reinschieben (nach rechts) jeweils über.


Nun zum Kanister. Nachdem ich nun schon ein paar Monate analog Fotografiere (ich schreibe dies im Herbst 2016), haben sich ein paar leere Filmkanister angesammelt. Bei normalem Film ist es üblich, den Anfang, sowie das Ende vom Film nicht für Bilder zur verfügung zu haben. Da ein Fotopapier jedoch nur 24cm oder 30cm lang ist, möchte ich so wenig wie möglich Platz auf dem Papier verschwenden.
Die leeren Kanister präpariere mit einem an übrigen Filmende angeklebten streifen Transparenzfolie. So kommt das Papier in der Kamera auch vollständig bis über das Fenster.
Als Anfang zum Einlegen in die Kamera nehme ich einen normalen Film, der nicht mehr zu gebrauchen war. 16cm sind ein gutes Maß für meine Yashica FX 3. Die Länge sollte nach dem ersten Streifen angepasst werden, da sonst das erste Bild nicht komplett auf dem Papier ist, bzw am Ende zuviel Platz bleibt.


Nachdem in der Dunkelkammer bei Rotlich von einem mindestens 24cm breiten Fotopapier ein 35mm Streifen abgeschnitten wurde, wird er an einer Seite mit dem Filmstreifen beidseitig mit Isolierband angeklebt. Der Film sollte das Papier dort ein oder zwei Löcher überlappen.
Nun wird der Filmstreifen in den Stanzapparat eingefädelt und dient dort als Referenz für die Lochabstände. Film nach links ziehen, Hebel runter, Platte mit Haken wieder nach rechts schieben, Hebel loslassen, ... Film nach links ziehen, Hebel runter ..., u.s.w.
Nach einer Weile sind dann alle Löcher gestanzt und der Film kann an den Anfang der Rolle angeklebt werden. Dann vorsichtig einwickeln und fertig ist der Kleinbildfotopapierfilm.

Für die Negative im rechten Bild hab ich Schwarzweisspapier mit Festgradation 3 von Work in Matt genommen, ich denke Mattes Papier ist am besten geeignet, da es beim Scannen oder Vergrößern nicht ungewollte reflektiert. Die Streifen waren 24cm lang und es passen gut 6 Bilder drauf. Beim Fotografieren sollte man mitzählen und nach dem letzten Bild zurückspulen.


Hier ein paar Beispiele. Entwickelte Papiere wurden in einem Epson V700 als normales Papier gescannt, in IrfanView gespiegelt und invertiert und anschließend mit RawTherapee bezüglich Helligkeit und Kontrast angepasst.